Zum Inhalt

Ring der Erinnerung bei Sorge

Der Ring der Erinnerung liegt nahe Sorge im westlichen Teil des heutigen Sachsen-Anhalt, nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen. Die frühere innerdeutsche Grenze verläuft durch die Mitte des etwa 70 Meter weiten Kreises. Der Landschaftskünstler Hermann Prigann schuf das Naturdenkmal 1993 aus aufgeschichteten Totholzstämmen. Im Zentrum ragen fünf Säulen eines früheren Grenzzauns aus dem Boden. Der Ort verbindet die Erinnerung an die Teilung mit dem sichtbaren Wandel von Holz, Pflanzen und Lebensräumen.

Ein Kunstwerk am ehemaligen Grenzstreifen

Der Ring entstand auf dem früheren Todesstreifen, dessen Grenzverlauf das Harzgebiet zwischen der DDR und der Bundesrepublik durchzog. Die Kreisform erinnert an einen Ring oder Hexenkreis. Das aufgeschichtete Totholz verliert mit der Zeit seine geschlossene Gestalt; Stämme sinken zusammen, verrotten und werden von Pflanzen überwachsen. Aus dem Zerfall entsteht wieder ein Lebensraum. Der Wechsel von vergangenem Grenzregime und neuem Wachstum prägt die Wirkung des Kunstwerks, als Teil der Erinnerung an die Geschichte.

Die fünf aufragenden Säulen machen die einstige Grenzanlage im Inneren des Rings sichtbar. Sie verweisen auf eine Grenze, die Menschen über Jahrzehnte kontrollierte und an der Fluchtversuche lebensgefährlich waren. Der Ring bewahrt die Spur des früheren Grenzzauns im Landschaftsbild und stellt sie einer natürlichen Entwicklung gegenüber. Dadurch wird der Ort sowohl als Kunstwerk als auch als Denkmal erfahrbar.

Zusammenhang mit der Grenzlandschaft Sorge

Der Ring gehört in den räumlichen Zusammenhang des Freiland-Grenzmuseums Sorge. Dort sind Teile von Grenzzaun und Signalzaun, eine Hundelaufanlage, Abschnitte des Kolonnenwegs, eine Grenzsäule und ein Beobachtungsturm erhalten. Die Spuren zeigen unterschiedliche Elemente der DDR-Grenzsicherung. Das Kleine Grenzmuseum im früheren Bahnhof ergänzt die Außengelände mit Objekten aus dem Alltag der Grenztruppen und der Menschen, die in der Grenzregion lebten. Der Ring bildet dazu einen eigenständigen künstlerischen Erinnerungsort auf dem ehemaligen Grenzstreifen.

Im größeren Zusammenhang verläuft hier das Grüne Band im Harz. Aus dem einstigen Grenzgebiet wurde ein grenzübergreifender Naturschutzkorridor. Der Ring verweist auf diese Transformation, weil das Totholz zerfällt und neues Leben nachwächst. Die frühere Grenzlinie bleibt historisch sichtbar; die Landschaft wird gleichzeitig von natürlichen Prozessen geprägt.

Anzeige

Besuch und Orientierung im Gelände

Der Ring befindet sich im Wald nahe der Grenzlandschaft Sorge und wird über Wege im Gebiet erreicht. Er lässt sich mit dem Besuch der Grenzanlagen verbinden. Das Gelände liegt südöstlich von Braunlage und in der Umgebung des Grenzmuseums; der Weg zum Kunstwerk führt durch eine geschichtsträchtige Waldlandschaft. Der Ring selbst lädt zum stillen Betrachten ein. Die Kombination aus kreisförmiger Form, zentralen Grenzsäulen und sich veränderndem Holz entfaltet sich besonders gut, wenn man den Außenrand und das Innere aus mehreren Blickwinkeln wahrnimmt.

Sorge gehört zur Stadt Oberharz am Brocken; die nächstliegenden Grenzorte schließen Elend, Schierke und Benneckenstein ein. Torfhaus und der Brocken zeigen weitere Abschnitte des Harzes, deren jüngere Geschichte eng mit der Teilung verbunden ist. Für den Ring selbst sind ruhiges Verhalten und ein achtsamer Umgang mit den Erinnerungszeichen angemessen.