UNESCO-Welterbe im Harz
Im Harz liegen zwei UNESCO-Welterbestätten mit mehreren eng verbundenen Orten und Anlagen: das Bergwerk Rammelsberg, die Altstadt von Goslar und die Oberharzer Wasserwirtschaft bilden gemeinsam ein serielles Welterbe; die Stiftskirche, das Schloss und die Altstadt von Quedlinburg sind eine eigene Welterbestätte. Zusammen zeigen sie, wie Erzvorkommen, Wassertechnik, Herrschaft und Stadtleben die Region vom Mittelalter bis in die Neuzeit geprägt haben.
Rammelsberg und Goslar: Bergbau und Herrschaft
Am Rammelsberg wurde über viele Jahrhunderte Erz gewonnen. Die UNESCO beschreibt den kontinuierlichen Abbau vom 11. Jahrhundert bis zur Stilllegung 1988. Silber-, Kupfer-, Blei- und Zinkerze machten das Bergwerk zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum. Unter Tage wie über Tage sind Spuren verschiedener Betriebsphasen erhalten: Stollen, Schächte, Förder- und Aufbereitungsanlagen dokumentieren, wie sich Gewinnung und Verarbeitung technisch veränderten. Im Besucherbergwerk und Museum Rammelsberg lässt sich dieser Zusammenhang am historischen Ort vertiefen.
Die nahe Stadt Goslar entwickelte sich eng mit dem Bergbau. Die reichen Erzvorkommen begünstigten ihre Bedeutung als Handels- und Herrschaftszentrum; im 10. bis 12. Jahrhundert gehörte Goslar zu den Aufenthaltsorten des Heiligen Römischen Reiches. Die mittelalterliche Altstadt bewahrt Kirchen, öffentliche Bauten und zahlreiche Fachwerkhäuser aus späteren Jahrhunderten. Der Stadtraum Goslar ergänzt den Blick in die Grube um die Kaufmanns-, Handwerks- und Verwaltungsgeschichte, die mit dem Erzhandel verbunden war.
Goslars Altstadt und Kaiserpfalz verbinden Bergbau, Reichspolitik und städtisches Leben. Die zwischen 1040 und 1050 errichtete Pfalz war über zwei Jahrhunderte Schauplatz von Reichs- und Hoftagen; Fachwerkhäuser, Rathaus, Kirchen und Gildenhäuser zeigen die Entwicklung der Stadt. Gemeinsam mit dem Rammelsberg gehört Goslar seit 1992 zum UNESCO-Welterbe.
Oberharzer Wasserwirtschaft: Energie aus dem Gebirge
Wasser diente zum Waschen und Aufbereiten des Erzes und vor allem als Antriebskraft. Über etwa acht Jahrhunderte entstand im Oberharz ein System aus künstlichen Teichen, Gräben, Wasserläufen, Stollen und unterirdischen Wasserwegen. Speicher hielten Niederschlag zurück; Gräben und Stollen leiteten es mit geringem Gefälle zu den Anlagen. Dort trieb es Wasserräder an, die Pumpen und Fördermaschinen bewegten. Die einzelnen Bauwerke sind verständlicher, wenn man sie als zusammenhängendes Netz betrachtet. Das Oberharzer Wasserregal erklärt diese technische Kulturlandschaft genauer.
Auch das Zisterzienserkloster Walkenried gehört zum Welterbe-Verbund. Die Mönche waren am frühen Ausbau der Wasserwirtschaft beteiligt und bauten die Klosteranlage in einer Region, deren wirtschaftliches Leben zunehmend vom Bergbau bestimmt wurde. Das Kloster Walkenried verbindet deshalb Klostergeschichte mit der Entwicklung von Erzgewinnung und Wassertechnik. Die UNESCO-Stätte vereint mehrere über die Landschaft verteilte Bestandteile, die gemeinsam den technischen und wirtschaftlichen Zusammenhang zeigen.
Die Grube Samson in Sankt Andreasberg bewahrt ein vollständiges Ensemble des Oberharzer Erzbergbaus. Silbererz wurde hier von 1521 bis 1910 gewonnen. Ausstellung, Wasserräder, Pumpen und die historische Fahrkunst veranschaulichen, wie Wasserkraft technische Abläufe, die Ein- und Ausfahrt der Bergleute und den technischen Wandel im Bergbau unterstützte.
Quedlinburg: ottonische Geschichte und mittelalterliche Stadt
Die Stiftskirche, das Schloss und die Altstadt von Quedlinburg stehen für einen anderen Teil der Harzer Geschichte. Im 10. Jahrhundert wurde Quedlinburg zu einem bedeutenden königlichen Aufenthaltsort der ottonischen Dynastie. Nach dem Tod Heinrichs I. im Jahr 936 blieb Königin Mathilde mit dem Ort verbunden; die Stiftskirche St. Servatius auf dem Quedlinburger Schlossberg entwickelte sich zu einem wichtigen religiösen Zentrum. Die Krypta mit Grabstätten, Malereien und architektonischen Elementen bewahrt Kunst- und Baugeschichte des 10. bis 12. Jahrhunderts.
Das Welterbe umfasst Schlossberg und historische Altstadt. Die Stadtstruktur bewahrt die Entwicklung von Burgsiedlung, Markt und mehreren älteren Siedlungskernen zu einer mittelalterlichen Stadt. Fachwerkhäuser aus unterschiedlichen Jahrhunderten prägen Gassen und Plätze; ihre Bauweisen zeigen, wie sich Wohn- und Handwerksviertel im Laufe der Zeit veränderten. Die UNESCO nahm die Stiftskirche, das Schloss und die Altstadt 1994 in die Welterbeliste auf. Der Überblick zu Quedlinburg ordnet die einzelnen Bauwerke in den Stadtraum ein.
Eintragung und Erweiterung
Goslar und der Rammelsberg wurden 1992 in die Welterbeliste aufgenommen. Die Eintragung würdigte zunächst das Bergwerk und die historische Stadt; 2010 wurde die Welterbestätte um die Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert. Damit umfasst sie heute Orte, Bauwerke und Landschaftselemente, deren technische Verbindungen über die Grenzen einer einzelnen Stadt hinausreichen. Quedlinburg wurde 1994 als eigene Welterbestätte eingetragen.
Die Welterbe-Orte im Zusammenhang
Rammelsberg, Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft bilden ein Beispiel für das Zusammenspiel von Lagerstätte, Arbeitswelt, Energieversorgung und städtischem Handel. Quedlinburg erzählt von königlicher Herrschaft, Stift und mittelalterlicher Stadtentwicklung. Die beiden Welterbestätten haben unterschiedliche Schwerpunkte, ergänzen sich aber als Zeugnisse einer Region, in der natürliche Ressourcen und politische Zentren über Jahrhunderte zusammenwirkten. Weitere Zusammenhänge erschließen der Bergbau im Harz, die Burgen und Schlösser sowie die Höhlenlandschaft des Harzes.
Häufige Fragen zum Welterbe im Harz
Welche UNESCO-Welterbestätten liegen im Harz?
Die Bergwerke am Rammelsberg, Goslars historische Altstadt und die Oberharzer Wasserwirtschaft gehören zu einer gemeinsamen Welterbestätte. Quedlinburg mit Stiftskirche, Schloss und Altstadt ist eine eigenständige Welterbestätte.
Warum gehören Wasserteiche zum Bergbau-Welterbe?
Teiche, Gräben und Wasserwege speicherten und führten Wasser, das Maschinen für Förderung und Entwässerung antrieb. Sie waren Teil der technischen Infrastruktur der Bergwerke.
Was unterscheidet Quedlinburg von Goslar?
Quedlinburg steht besonders für ottonische Herrschaft, Stiftsgeschichte und mittelalterliche Fachwerkstadt. Goslar entwickelte sich als Handels- und Herrschaftsort eng mit den Erzvorkommen des Rammelsbergs.