Lachs-Wiederansiedlung in der Oker
Die Rückkehr des Lachses in die Oker ist ein langfristiges Naturschutz- und Gewässerprojekt. Am 30. April 1994 setzte der Angelsportverein Braunschweig 5.000 Lachsbrütlinge bei Goslar-Oker aus und startete damit das Projekt „Okerlachs 2000“. Der Atlantische Lachs wandert zwischen Meer und Fluss: Jungfische wachsen im Süßwasser auf, ziehen ins Meer und kehren später zum Laichen in ihre Herkunftsgewässer zurück. Damit diese Wanderung gelingt, müssen Flussläufe zugänglich und geeignete Lebensräume vorhanden sein.
Historische Belastung und Wiederansiedlung
Die Oker war historisch durch menschliche Eingriffe belastet. Die AOLG beschreibt für den Abschnitt zwischen Goslar-Oker und der Eckermündung bei Vienenburg eine frühere starke Belastung im Zusammenhang mit der Silberwäsche am Rammelsberg. Schadstoffe und Hindernisse beeinträchtigten die Fischfauna und die Wanderwege. Das Wiederansiedlungsprojekt verbessert die Bedingungen, die Wanderfische brauchen: geeignete Lebensräume und durchgängige Flussläufe.
Ein Lachs ist auf eine Abfolge von Flusslebensräumen angewiesen. Kiesige, sauerstoffreiche Bereiche dienen als Laichplätze; Jungfische benötigen strukturreiche Gewässerabschnitte mit Nahrung und Deckung. Auf dem Weg zwischen Meer und Oberlauf müssen Fische Wehre und andere Querbauwerke passieren können. Durchgängigkeit ist deshalb in beide Richtungen wichtig: Erwachsene Lachse wandern flussaufwärts, während junge Fische später flussabwärts Richtung Meer ziehen. Ein geeignetes Gewässernetz verbindet den Harz mit der Aller und den weiterführenden Flusssystemen.
Engagement und Monitoring
Das Projekt begann als örtliche Initiative und entwickelte sich zu einer Zusammenarbeit mehrerer Vereine. 2002 entstand die Aller-Oker-Lachsgemeinschaft, in der sich Okeranliegervereine und weitere Fischereivereine zusammenschlossen. Die Gemeinschaft arbeitet an Besatzmaßnahmen, Informationen und Beobachtung der Fischwanderung. Monitoring an Fischaufstiegsanlagen hilft, Wanderbewegungen zu erfassen und die Funktion einzelner Passagen besser zu verstehen. Ergebnisse solcher Kontrollen geben Hinweise darauf, welche Arten aufsteigen und wie Gewässerabschnitte miteinander verbunden sind.
Eine natürliche Population setzt erreichbare Laichhabitate und durchgängige Wanderwege ins Meer und zurück voraus. Der Lachs ist deshalb ein Indikator für mehrere ökologische Bedingungen zugleich: Wasserqualität, Kiesbett, Strömungsvielfalt und freie Wanderkorridore. Maßnahmen, die für den Lachs wichtig sind, können auch anderen Arten zugutekommen, weil sie Lebensräume verbinden und strukturreiche Flüsse fördern.
Ein Leitfisch für Harz und Heide
Die Oker entspringt im Harz und fließt nach Norden zur Aller. Entlang ihres Laufs verändert sie ihren Charakter vom Mittelgebirgsbach zum größeren Tieflandfluss. In der Region verbinden sich Naturräume und Siedlungen, Wassernutzung und Erholung. Wer den Fluss kennenlernt, begegnet daher auch einer Landschaft, die durch Wasserwirtschaft und menschliche Nutzung geprägt wurde. Die Oker bildet die thematische Brücke zwischen Harzer Quellgebieten und der weiteren Flusslandschaft.
Die Oker verbindet den Oberharz mit dem nördlichen Harzvorland. Im Raum Goslar und Oker wird die Initiative räumlich greifbar; Bad Harzburg liegt ebenfalls am nördlichen Harzrand. Der Fluss steht dabei für eine andere Nutzungsgeschichte als der historische Bergbau, dessen wasserwirtschaftliche Anlagen das Oberharzer Wasserregal veranschaulicht. Die überregionale Kulturlandschaft des UNESCO-Welterbes im Harz hilft, diese verschiedenen Beziehungen zwischen Wasser, Arbeit und Landschaft einzuordnen.