Okertalsperre: Stausee und Ufer
Die Okertalsperre staut die Oker im Westharz südlich von Goslar. Ihr weit verzweigter Stausee liegt zwischen bewaldeten Hängen und bildet einen der größten Speicher der Harzwasserwerke. Die Anlage dient vor allem dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung und der Energieerzeugung; über eine Verbindung zur Granetalsperre unterstützt sie außerdem die Trinkwassergewinnung.
Bauwerk und Lage im Okertal
Die Staumauer entstand zwischen 1952 und 1956; 1956 ging die Talsperre in Betrieb. Es handelt sich um eine Bogengewichtsmauer, deren gekrümmte Form den Wasserdruck aufnimmt und in die Talflanken ableitet. Die Mauer ist 67 Meter hoch über der Talsohle und 75 Meter hoch über der Gründungssohle. Bei Vollstau fasst der Speicher rund 46,85 Millionen Kubikmeter Wasser. Das Einzugsgebiet umfasst etwa 85 Quadratkilometer. Bei Vollstau bedeckt der Speicher rund 2,25 Quadratkilometer Wasserfläche; dieser Wert verdeutlicht, wie weit sich das Gewässer in die Seitenarme des Tals erstreckt.
Die Uferlinie folgt mehreren Seitenarmen der Oker und den einmündenden Tälern; bewaldete Hänge rahmen das verzweigte Gewässer. Die Stauanlage schließt das Okertal ab; die umliegenden Höhen bilden zugleich ihr Einzugsgebiet, in dem Niederschlag gesammelt und über Bäche in den Speicher geführt wird.
Wasserwirtschaft und Oker-Grane-Stollen
Seit 1971 wird Wasser aus der Okertalsperre durch den rund 7,5 Kilometer langen Oker-Grane-Stollen zur benachbarten Granetalsperre geleitet. Dort wird es für die Trinkwassergewinnung genutzt. Die Verbindung unterstützt den überregionalen Verbund der Harzwasserwerke. Der Stollen verbindet zwei Einzugsgebiete innerhalb des überregionalen Versorgungssystems. Die Talsperren im Harz erfüllen je nach Lage und Verbund unterschiedliche Aufgaben.
Bei Hochwasser kann das Speicherbecken Zuflüsse zurückhalten und den Abfluss der Oker regulieren. In niederschlagsarmen Zeiten trägt die Abgabe gespeicherten Wassers zur Stützung des Flusses bei. Das Wasserkraftwerk nutzt Höhenunterschiede für die Stromerzeugung. Diese Aufgaben werden im Betrieb aufeinander abgestimmt: Der verfügbare Stauraum, der Wasserzufluss und die festgelegten Abgabemengen bestimmen, wie das Wasser bewirtschaftet wird.
Das Wasser als Teil der Landschaft
Die Okertalsperre veränderte das Tal, als sie gebaut wurde. Für den Speicher wurde die Oker hinter der Mauer aufgestaut; frühere Siedlungs- und Verkehrsflächen im Talraum wurden überformt. Bei sehr niedrigen Wasserständen können Spuren des früheren Ortes Schulenberg sichtbar werden. Solche freigelegten Flächen verändern sich mit dem Speicherstand. Die Höhenlage und die bewaldeten Ufer prägen heute den Landschaftseindruck des Westharzes.
Der Stausee liegt in einer Region mit mehreren Wasserbauwerken. Die Stadt Altenau und der Ortsteil Schulenberg liegen in der umliegenden Berglandschaft; Clausthal-Zellerfeld erschließt die historische Oberharzer Wasserwirtschaft. Die Teiche und Gräben des Wasserregals wurden vor allem für den Bergbau angelegt und unterscheiden sich von modernen Talsperren in Größe und Zweck.
Okertalsperre und Ausflugsraum
Die Umgebung eignet sich zur landschaftlichen Betrachtung des Stausees und seiner Talsperrenmauer. Wer das Tal erkundet, kann Wasserfläche, Nebenarme und bewaldete Hänge als Teile eines gemeinsamen Einzugsgebiets verstehen. Die Oker setzt ihren Lauf unterhalb der Sperre fort; das Kraftwerk Romkerhalle liegt im weiteren Tal und nutzt die Wasserführung zur Stromerzeugung. Die Region um Bad Harzburg und der Landkreis Goslar bieten weitere Bezüge zur westlichen Harzer Wasserlandschaft.
Eine Talsperre ist zugleich Infrastruktur und Landschaftselement. Die Mauer hält Wasser zurück, ihre Betriebsführung beeinflusst Abfluss und Speicherstand, und die Ufer zeigen den wechselnden Kontakt zwischen Wasser und Tal. Informationen über aktuelle Füllstände sind zeitgebunden; für geographische Orientierung bleiben Lage, Bauart und die Verbindung zur Granetalsperre die dauerhaft prägenden Merkmale.
Die Mauerkrone ist 260 Meter lang und acht Meter breit. Damit bilden Bogenmauer, Speicherbecken und Talflanken eine anschauliche Einheit des modernen Wasserbaus.
Häufige Fragen zur Okertalsperre
Wann wurde die Okertalsperre gebaut?
Die Bauzeit lag zwischen 1952 und 1956; im Jahr 1956 wurde die Anlage in Betrieb genommen.
Wie gelangt Wasser zur Granetalsperre?
Seit 1971 verbindet der etwa 7,5 Kilometer lange Oker-Grane-Stollen die Okertalsperre mit der Granetalsperre.
Welche Aufgaben erfüllt der Speicher?
Die Anlage unterstützt Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung und Energieerzeugung; über den Verbund dient sie auch der Trinkwassergewinnung.