Stolberg
Stolberg liegt im Südharz, eingebettet in vier schmale Täler zwischen etwa 300 und 350 Metern Höhe. Mehr als 380 Fachwerkhäuser aus mehreren Jahrhunderten bilden einen zusammenhängenden historischen Stadtkern mit steilen Gassen, Plätzen und verwinkelten Höfen. Schloss, Museum Alte Münze und das Erbe Thomas Müntzers geben dem Ort eine besondere Verbindung von Residenz-, Handwerks- und Reformationsgeschichte.
Schloss Stolberg
Foto: © wikimedia.de / Ralf Lotys CC BY-SA3.0
Fachwerkstadt in vier Tälern
Die engen Täler bestimmen den Grundriss Stolbergs: Straßen folgen den Bächen und Hängen, während Häuser dicht aneinander bis hinauf zum Schlossberg stehen. Das Fachwerk reicht von spätmittelalterlichen Formen bis zu Renaissancebauten. Beim Rundgang fallen unterschiedliche Geschosse, Erker und Holzverbände auf; sie zeigen, wie Handwerker ihre Häuser an die schmale Tallage angepasst haben. Stolberg gehört zur Deutschen Fachwerkstraße und trägt seit 1993 den Titel Historische Europastadt. Die Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden, wobei der Höhenunterschied zwischen den unteren Gassen und dem Schlossberg Teil des Stadtbildes ist.
Der Marktplatz bildet einen natürlichen Startpunkt. Das Rathaus ist ein spätmittelalterlicher Bau mit einer Außentreppe, die in die oberen Stockwerke führt. Gegenüber erhebt sich der Saigerturm aus dem 13. Jahrhundert. Von dort führen Straßen durch die Niedergasse zu weiteren Fachwerkhäusern und zum Geburtshaus Thomas Müntzers. Der Reformator wurde in Stolberg geboren; die Stadtgeschichte verbindet seine Biografie mit der frühen Reformationszeit und dem Bauernkrieg. In der Region setzt Allstedt diesen Themenstrang fort: Dort wirkte Müntzer als Pfarrer und hielt 1524 seine Fürstenpredigt.
Schloss Stolberg und die Grafen
Auf einem Bergsporn oberhalb der Stadt steht das Schloss Stolberg. Der älteste Rundturm geht auf die Zeit um 1200 zurück; die Anlage war über Jahrhunderte Sitz der Grafen und Fürsten zu Stolberg. Zwischen 1690 und 1700 erhielt das Schloss wesentliche Teile seines heutigen Erscheinungsbildes. Restaurierte Räume und die Ausstellungen zur Schlossgeschichte machen die Residenzgeschichte nachvollziehbar. Der Blick vom Schlossberg zeigt zugleich, wie sich die Stadt in den Tälern ausbreitet.
Vom oberen Stadtrand führen Wege weiter in die bewaldeten Hänge des Südharzes.
Das Museum Alte Münze widmet sich dem Handwerk, das Stolberg über lange Zeit wirtschaftlich prägte. Das Fachwerkhaus entstand 1535 als Werkstatt- und Wohngebäude; im Inneren ist eine historische Münzwerkstatt erhalten. Bei Vorführungen wird der Prägevorgang anschaulich, sodass sich der Weg vom Erz über das Metall bis zur Münze erschließt. Ausstellungsteile beleuchten außerdem den Harzer Bergbau, den Alltag eines Münzmeisters und die Geschichte von Geld und Handel. Das Museum verbindet damit ein Gebäude der Altstadt mit der regionalen Montangeschichte, die auch in Bergbaustätten des Harzes sichtbar wird.
Wege zum Josephskreuz und in den Südharz
Östlich der Stadt erhebt sich der 580 Meter hohe Auerberg mit dem Josephskreuz. Das eiserne Doppelkreuz ist ein weithin sichtbarer Aussichtspunkt. Von der Höhe reicht der Blick über den Südharz, zum Kyffhäuser und bei klarer Sicht bis zum Brocken. Rundwege auf dem Auerberg und in den angrenzenden Wäldern ergänzen den Stadtrundgang um eine längere Naturstrecke.
Der Wanderraum Harz reicht dabei von den Harzvorbergen bis zu den Höhenlagen; der Harzer-Hexen-Stieg erschließt größere Abschnitte als Fernwanderweg.
Für einen abwechslungsreichen Ausflug lassen sich Stolbergs Fachwerkstraßen, Schloss und Münzwerkstatt mit einem Abstecher in die Landschaft verbinden. Sangerhausen ergänzt die Region mit Stadtgeschichte und Rosentradition; Uftrungen führt zur Karstlandschaft und zur Heimkehle. Auch Wippra eröffnet einen anderen Blick auf das bewaldete Südharzvorland. So lässt sich Stolberg als historischer Ort und als Ausgangspunkt für Wege in die umliegenden Täler verstehen. Das weiter östlich anschließende Gebiet von Mansfeld-Südharz ergänzt den Überblick um Städte und Landschaften des östlichen Harzvorlands.