Baumgrenze am Brocken ist klimatisch bedingt

Baumgrenze am Brocken ist klimatisch bedingt
Baumgrenze am Brocken ist klimatisch bedingt
(3.2) Bewertungen: 13

(Wernigerode) Der Brocken, höchster Berg im Harz. Fast jeder kennt sie – die kahle Brockenkuppe. Lange waren sich die Wissenschaftler nicht einig – ist es eine natürliche Waldgrenze oder ist sie durch menschliche Einflüsse entstanden? Nach neuesten Forschungsergebnissen der Universität Göttingen steht nun fest: Die Waldgrenze am Brocken ist klimatisch bedingt. Sie stellt damit die nördlichste natürliche alpine Waldgrenze in Zentraleuropa dar und ist dementsprechend wertvoll für den regionalen und internationalen Naturschutz. Dem Nationalpark Harz erwächst daraus die Aufgabe, diesen besonderen Waldstandort trotz touristischer Aktivitäten auf der Brockenkuppe konsequent zu schützen und den Fortbestand zu gewährleisten.

Brocken-Gipfel ist schon seit Jahrhunderten baumlos

Schon in einem der frühesten schriftlichen Berichte einer Brockenbesteigung über den Besuch des Fürsten Friedrich von Anhalt-Bernburg 1649 wird der Brockengipfel als unbewaldet geschildert. Auch der bekannte Kupferstich von L.S. Bestehorn von 1732 zeigt den baumlosen Brockengipfel. Nun sind dies aber noch keine Beweise dafür, dass die Waldgrenze am Brocken natürlich ist und nicht durch menschliches Einwirken verursacht wurde. Schließlich weist eine ganze Reihe von Mittelgebirgen nördlich der Alpen seit langem waldfreie Gipfel auf. Die Ursache dafür ist jedoch meist im menschlichen Einfluss zu suchen, wie das z.B. bei den waldfreien Gipfeln des Schwarzwaldes der Fall ist. Sie stellen also keine "alpinen" Waldgrenzen im eigentlichen Sinne dar. Und die so kleine räumliche Entfernung der Waldgrenze zum Brockengipfel mag Zweifel daran schüren, dass es sich hier um eine klimatisch bedingte Wuchsgrenze der Bäume handelt. So war die Frage nach der Ursache der Waldgrenze am Brocken über viele Jahrzehnte immer wieder Gegenstand kontroverser Debatten.

Ist Baumgrenze am Brocken natürlichen Ursprungs?

Das Brockenplateau ist von Natur aus baumlos, so dass sich Brocken-Wanderern ein grandioser Blick über den Harz und das Harzvorland bietetBereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich Göttinger Forstwissenschaftler mit dieser Frage, kamen aber zu keinem klaren Ergebnis. Die Natürlichkeit von Waldgrenzen ist nicht allein am Brocken ein schwieriges Thema. Sie stellt die Wissenschaftler an allen Orten der Erde, an denen es eine "obere" Verbreitungsgrenze des Waldes gibt, vor das gleiche Problem – von den niedrigen nordskandinavischen Bergen über die Mittelgebirge und die Alpen in Zentraleuropa bis hin zu den Hochgebirgen wie Anden und Himalaya. Interessanterweise unterscheiden sich in diesen Bergregionen zwar die absoluten Meereshöhen der alpinen Waldgrenze, jedoch kaum die Temperaturverhältnisse, unter denen die Bäume dort wachsen. Das hat etwas mit dem unterschiedlichen jahreszeitlichen Sonnenstand und den damit verbundenen Unterschieden der Strahlungsenergie zu tun. Denn das Baumwachstum ist in erster Linie vom Energiegewinn aus der Sonnenstrahlung durch die Photosynthese der Blätter bzw. der Nadeln abhängig, und das Zellwachstum zur Bildung von Holzgewebe erfordert ein Mindestmaß an Wärme. Während die "Vegetationszeit" im hohen Norden oder Süden der Erdkugel kurz ist und die Waldgrenzen deshalb in niedrigen Meereshöhen liegen, umfasst die Vegetationszeit in den Tropen/Subtropen nahezu das ganze Jahr und die alpinen Waldgrenzen liegen dort erst in großer Meereshöhe. Darum haben Pflanzengeographen schon früh versucht, Indikatoren für das Temperaturregime an verschiedenen alpinen Waldgrenzen zu suchen.

Ein wichtiger Fortschritt wurde in jüngerer Zeit erreicht, als der Pflanzenökologe Prof. Christian Körner von der Universität Basel begann, systematisch Klimadaten an verschiedenen alpinen Waldgrenzen der ganzen Erde auszuwerten. Dabei zeigte sich, dass die Klimabedingungen an der alpinen Waldgrenze weltweit besonders gut durch das Temperaturregime im Boden während der Vegetationszeit charakterisiert werden können. Die alpinen Waldgrenzen sind in Meereshöhen zu finden, wo die Durchschnittstemperatur in 10 cm Bodentiefe während der Vegetationszeit 6,7 °C beträgt. Insgesamt gesehen ist die Übereinstimmung zwischen der jeweiligen Meereshöhenposition der Waldgrenzen und diesem Indikatorwert der Bodentemperaturen trotz regionaler Abweichungen erstaunlich gut.

Von Torfhaus aus bietet sich Harz-Urlaubern ein grandioser Blick auf den Brocken. Die Baumgrenze am Brocken ist von hier gut auszumachenIn den vergangenen Jahren wurden Untersuchungen zu den Klimabedingungen am Brocken und der Reaktion der Fichten auf klimatische Unterschiede in Wäldern entlang eines Meereshöhengradienten zwischen Ilsenburg in 390 m Meereshöhe und der Waldgrenze am Brockengipfel in 1100 m Höhe durchgeführt. Die Messungen zeigen, dass die Veränderungen des Baumwuchses der Fichten, z.B. die augenfällige Abnahme der Baumhöhe, maßgeblich von der deutlichen Abnahme der Luft- und Bodentemperaturen mit zunehmender Meereshöhe beeinflusst werden. Bestimmt man in Anlehnung an die Untersuchungen von Prof. Körner die Durchschnittstemperatur in 10 cm Bodentiefe für die Vegetationszeit an der Waldgrenze am Brocken, erhält man einen Mittelwert von 6,7 °C – genau den Wert, der auch im globalen Vergleich gefunden wurde.

Dieser jüngste wissenschaftliche Befund zeigt neben vielen anderen Besonderheiten die Einzigartigkeit des Brockens, die uns allen die Verpflichtung auferlegt, mit der Natur auf dem Brocken sorgsam umzugehen.

Hotels Harz

Text: Dr. Friedhart Knolle, Nationalpark Harz

Datum: 17.02.2012

Deine Meinung

Bewertung (5 ist super, 1 ist nicht so toll):  

Kommentar (0)

Keine Kommentare

Tipps aus der Redaktion

Letzter Artikel

Blick auf Gernrode Gernrode Rund um Gernrode verlaufen verschiedene Wanderwege durch den Nordharz, welche nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt sind. Der Selketal-Stieg schlängelt sich zusammen mit der Schmalspurbahn von Stiege nach Quedlinburg. Zu den beliebten Wanderzielen ab Gernrode zählen auch das Bodetal und natürlich der Brocken. Gernrode stellt ein attraktives Ausflugsziel für den Harz-Urlaub ganz in Familie dar.
Der Hochharz-Eine landeskundliche Bestandsaufnahme Der Harz ist nicht nur das nördlichste, sondern auch eines der schönsten, vielfältigsten, geschichtsträchtigsten und damit beliebtesten der deutschen Mittelgebirge. Darüber hinaus ist es für die dänischen und holländischen Nachbarn ebenfalls ein lohnendes Ziel. Es gibt unzählige Publikationen in gedruckten und modernen Medien, die auf die vielen Aspekte des Harzes hinweisen. Symbol des Harzes ist sein höchster Berg, der Brocken. Mit seinen 1142 Metern ragt er über die Baumgrenze hinaus und ist durch die markante Gipfelbebauung weithin sichtbar. Er liegt auch im geographischen Mittelpunkt des hier vorgestellten neuen Buches.
Hikeline Wanderführer Harz Wandertouren im Harz Sicher kann man darüber streiten, ob nicht noch eine andere außer diesen 51 Wandertouren zu den schönsten Wanderwegen im Harz gehört. Die Auswahl spricht jedoch für genaue Ortskenntnis und auch Einblick darin, was der „normale“ oder auch der etwas mehr Belastung gewöhnte Harz-Urlauber bewältigen kann und möchte.
Tipps und Erlebnisse An dieser Stelle geben wir Ihnen Tipps für den Wanderurlaub im Harz. Das können Hinweise auf Wanderführer oder auch eigene Wandererlebnisse sein. Das Netz der Wanderwege im Harz ist so vielgestaltig, dass die Erlebnisse, die mit einer Harzwanderung verbunden sind, sicher auch andere und vor allem künftige Harzurlauber interessieren.
Das Travel Charme Gothisches Haus in Wernigerode Travel Charme Gothisches Haus Wernigerode Das historische Fachwerkgebäude des Travel Charme Gothisches Haus liegt direkt am Marktplatz im wunderschönen Stadtensemble von Wernigerode . Hinter der traditionellen Fassade erwartet Sie der moderne Komfort eines...

Tipps aus der Redaktion

Letzter Artikel

Blick auf Gernrode

Gernrode
Rund um Gernrode verlaufen verschiedene Wanderwege durch den Nordharz, welche nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt sind. Der Selketal-Stieg schlängelt sich zusammen mit der Schmalspurbahn von Stiege nach Quedlinburg. Zu den beliebten Wanderzielen ab Gernrode zählen auch das Bodetal und natürlich der Brocken. Gernrode stellt ein attraktives Ausflugsziel für den Harz-Urlaub ganz in Familie dar.

Der Hochharz-Eine landeskundliche Bestandsaufnahme
Der Harz ist nicht nur das nördlichste, sondern auch eines der schönsten, vielfältigsten, geschichtsträchtigsten und damit beliebtesten der deutschen Mittelgebirge. Darüber hinaus ist es für die dänischen und holländischen Nachbarn ebenfalls ein lohnendes Ziel. Es gibt unzählige Publikationen in gedruckten und modernen Medien, die auf die vielen Aspekte des Harzes hinweisen. Symbol des Harzes ist sein höchster Berg, der Brocken. Mit seinen 1142 Metern ragt er über die Baumgrenze hinaus und ist durch die markante Gipfelbebauung weithin sichtbar. Er liegt auch im geographischen Mittelpunkt des hier vorgestellten neuen Buches.

Hikeline Wanderführer Harz

Wandertouren im Harz
Sicher kann man darüber streiten, ob nicht noch eine andere außer diesen 51 Wandertouren zu den schönsten Wanderwegen im Harz gehört. Die Auswahl spricht jedoch für genaue Ortskenntnis und auch Einblick darin, was der „normale“ oder auch der etwas mehr Belastung gewöhnte Harz-Urlauber bewältigen kann und möchte.

Tipps und Erlebnisse
An dieser Stelle geben wir Ihnen Tipps für den Wanderurlaub im Harz. Das können Hinweise auf Wanderführer oder auch eigene Wandererlebnisse sein. Das Netz der Wanderwege im Harz ist so vielgestaltig, dass die Erlebnisse, die mit einer Harzwanderung verbunden sind, sicher auch andere und vor allem künftige Harzurlauber interessieren.

Das Travel Charme Gothisches Haus in Wernigerode

Travel Charme Gothisches Haus Wernigerode
Das historische Fachwerkgebäude des Travel Charme Gothisches Haus liegt direkt am Marktplatz im wunderschönen Stadtensemble von...

Werbung

Folgen auf Facebook oder Google+

 


Mein Harz-Hotel...nicht nur zu Walpurgis

News

Produktives „Waldsterben“ im Harz
Die meisten der zahlreichen Wanderer, die die Harzberge und -wälder durchstreifen, werden angesichts großflächigen Waldsterbens unruhig. Was passiert hier? Warum unternehmen die Behörden nichts?
Fotoausstellung „Glanzlichter 2017“ in Ilsenburg
Der einzige länderübergreifende deutsche Nationalpark, der Nationalpark Harz, verfügt über mehrere Standorte, sogenannte Nationalparkhäuser. Sie laden an exponierten Stellen zum Besuch ein und bieten neben Dauerausstellungen auch hochwertige Sonderschauen.
Schneeschuhlaufen im Oberharz
Der Schneeschuh als Fortbewegungsmittel ist bereits mehr als 5000 Jahre alt. Vor allem von indigenen Völkern Europas und Amerikas wurde er entwickelt und benutzt. Schneeschuhe sind seit jeher ein beliebtes Hilfsmittel, um sich in schneereichen Regionen bewegen zu können. Das Gewicht der Person wird über eine größere Fläche verteilt, sodass das Versinken im Schnee verhindert wird.