Osterfeuer und Frühlingsbräuche im Harz
Osterfeuer gehören in vielen Orten des Harzes zu den sichtbaren Bräuchen der Osterzeit. Das Feuer markiert den Übergang vom Winter zum Frühjahr und bündelt Gemeinschaft an einem gemeinsamen Ort. Der Harzer Tourismusverband überliefert dazu ältere Deutungen: Das Feuer sollte den Winter vertreiben und die keimende Saat vor bösen Mächten schützen. Bis heute verbinden die Veranstaltungen regionale Tradition, Zusammenkommen und den jahreszeitlichen Wechsel. Wie eine Feier gestaltet wird, hängt von der örtlichen Gemeinschaft ab und kann sich von Dorf zu Dorf unterscheiden.
Meilerbau im Oberharz
In vielen Oberharzer Orten werden Osterfeuer als sorgfältig aufgeschichtete Meiler gebaut. Eine bekronte Fichtenstange von 16 bis 20 Metern bildet den Richtbaum im Zentrum. Trockene Heckenteile und Fichtenzweige werden zwischen Stützstreben geschichtet; so kann ein Meiler von bis zu zwölf Metern Durchmesser entstehen. Eine Lage grüner Zweige deckt den Kegel ab. Bei Einbruch der Dunkelheit wird der Meiler entzündet. Zunächst steigt Rauch auf; später brechen Flammen durch die äußeren Zweige. Die Bauweise erfordert Planung und gemeinschaftliche Arbeit, denn der Meiler ist zugleich Objekt des Brauchs und Mittelpunkt der Veranstaltung.
Zu den besonders charakteristischen Bräuchen mancher Harzorte gehören das Schwingen brennender Holzfackeln und das sogenannte Schwarzmachen. Beim Fackelschwingen werden brennende Fackeln in kreisenden Bewegungen über dem Kopf geführt. Die Lichtspuren zeichnen in der Dämmerung Kreise vor dem dunklen Hintergrund der Berge. Beim Schwarzmachen färben Teilnehmende mit Ruß die Gesichter anderer Besucher; dies gilt in der Überlieferung als Glückszeichen. Der Meiler ist ein gemeinschaftlich errichtetes Feuer; Fackelschwingen und Schwarzmachen ergänzen die Festnacht um eigene Bräuche. Örtliche Gemeinschaften bewahren dabei ihre jeweiligen Formen des Osterbrauchtums.
Gemeinschaft und Jahresrhythmus
Ein Osterfeuer wird oft von örtlichen Vereinen oder Gemeinschaften vorbereitet. Holz sammeln und aufschichten, den Ablauf organisieren und den Platz betreuen sind Aufgaben, die lange vor dem Fest beginnen. Während der Veranstaltung kommen Bewohner und Gäste zusammen; je nach Ort gibt es ein Rahmenprogramm. Der Kern liegt in der gemeinschaftlichen Vorbereitung und im wiederkehrenden jahreszeitlichen Anlass. So bleiben Bräuche lebendig, auch wenn einzelne Elemente sich wandeln oder von einer Gemeinde anders gestaltet werden.
Am aufgebauten Meiler ist der Ablauf des Brauchs an der Form ablesbar: Der Richtbaum markiert die Mitte, die Streben halten den kegelförmigen Aufbau, und die äußere Zweiglage schließt ihn ab. Wenn die Flammen bei Dunkelheit nach außen treten, verändert sich das Bild des Meilers Schritt für Schritt. So wird der gemeinsam errichtete Bau zum sichtbaren Mittelpunkt der Feier. Diese Oberharzer Bauform prägt den Brauch.
Der Harzer Tourismusverband hebt als konkretes Beispiel die Osterfeuergemeinschaft Broadway in Bad Grund hervor. Dort ist der Meiler ein gemeinschaftliches Bauprojekt: Richtbaum, Stützwerk und Schichtung werden von örtlichen Helfern vorbereitet. Veranstaltungen am Harzrand und im Oberharz setzen unterschiedliche Elemente in den Mittelpunkt; Profile von Osterode, Walkenried und Quedlinburg verorten die vielfältigen Harzregionen, in denen lokale Bräuche gepflegt werden.