Talsperren im Harz
Der Regenreichtum des Harzes erfordert eine entsprechende Entwässerung, denn die Täler vor allem an den Rändern des Harzes müssen vor Überschwemmung der vielen kleinen Harzflüsse geschützt werden. Zu diesem Zweck wurde Mitte des 20. Jahrhunderts damit begonnen, ein System von Talsperren anzulegen. Dadurch wurde die Tradition der Oberharzer Wasserwirtschaft aufgenommen und in neuer Dimension weitergeführt. Weitere Zwecke der Talsperren sind die Trinkwasserversorgung der Gebiete östlich des Harzes, die sich im Regenschatten des Oberharzes befinden und im Sommer unter Wassermangel leiden, sowie der Niedrigwasserausgleich in trockenen Sommermonaten. Heute gibt es allein im Harz und in seinem Vorland 18 Talsperren. Nicht mitgezählt sind dabei die Teiche der Oberharzer Wasserwirtschaft, die oft ebenfalls die Funktion einer Talsperre haben. Die wichtigsten Talsperren des Harzes stellen wir Ihnen hier vor.
Rappbodetalsperre
Die Rappbodetalsperre ist die größte Talsperre im Harz, die Staumauer ist mit 106 Metern die höchste in ganz Deutschland. Ausgangspunkt war der Hochwasserschutz für das Bodetal. Nach Projekten der ersten Bauphase ab 1938 (1942 beendet) wurde die Talsperre 1962 eröffnet. Es ist ein System von mehreren Stauseen, wodurch die Überflutung von Ortschaften vermieden werden konnte. Zusätzlich dient die Rappbodetalsperre der Trinkwasserversorgung im Gebiet Aschersleben, Halle und Leipzig. Zum System der Rappbodetalsperre gehören die Vorsperren Königshütte, Hasselvorsperre, Rappbodevorsperre, die Talsperre Mandelholz sowie als nachgeordnete die Talsperre Wendefurth. Im Sommer ist der Stausee Wendefurth als Badesee und für den Wassersport frei gegeben, Tretboote, Ruderboote, Elektroboote und Segelboote können ausgeliehen werden. Über den Stausee verkehrt auch ein kleines Partyschiff. Weiterhin darf auf dem Stausee geangelt werden. Das Pumpspeicherwerk Wendefurth nutzt den Stausee als Unterbecken.
Okertalsperre
Ebenfalls 1938 war der Baubeginn der Okertalsperre an der Oker südlich von Goslar. Errichtet wurde sie 1949 bis 1956. Die Okertalsperre dient dem Hochwasserschutz, der Stromerzeugung und der Trinkwassergewinnung über den Oker-Grane-Stollen (s.u.). Die Okertalsperre ist ein beliebtes Gewässer für Freizeitboote, auch ein Passgierschiff verkehrt auf dem in malerischer Umgebung gelegenen weit verzweigten Stausee. Über den Stausee führt eine Straßenbrücke, ein asphaltierter Rundkurs wird gerne von Radwanderern und Inline-Skatern genutzt.
Granetalsperre
Die Granetalsperre zwischen Goslar und Langelsheim ist mit der Fertigstellung 1969 die jüngste Talsperre des Harzes und dient dem Hochwasserschutz, der Trinkwassergewinnung und der Stromerzeugung. Da die Grane als Nebenfluss der Innerste nicht ausreichend Wasser führt, ist der Granestausee mit dem Okerstausee durch eine Wasserleitung verbunden.
Innerstetalsperre
Südlich von Langelsheim staut die 1966 fertiggestellte Innerstetalsperre den gleichnamigen Fluss für Trinkwassergewinnung, Hochwasserschutz und Stromerzeugung.
Odertalsperre
Die Talsperre im Westharz staut den Fluss Oder nördlich von Bad Lauterberg. Sie wurde bereits 1934 in Betrieb genommen und dient dem Hochwasserschutz. Ursprünglich stellte die Odertalsperre das Oberbecken eines Pumpspeicherwerkes dar, das sich in den 1990 Jahren allerdings als nicht mehr rentabel erwies. Der Oderstausee ist touristisch gut erschlossen, mit Wassersportmöglichkeiten und einem Campingplatz. Rund um die Odertalsperre erstrecken sich unzählige Kilometer Wanderwege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.
Sösetalsperre
Nordöstlich von Osterode wird der kleine Fluss Söse gestaut. Der 1931 fertiggstellte Stausee dient dem Hochwasserschutz, der Trinkwassergewinnung und der Stromerzeugung. Am Stausee befindet sich ein Campingplatz.
Eckertalsperre
Die 1942 errichtete Eckertalsperre liegt zwischen Bad Harzburg und dem Brocken. Sie dient der Trinkwasserversorgung und ist nicht mit Privatfahrzeugen erreichbar. Der Anblick entschädigt jedoch für die kleine zusätzliche Mühe. Über dem Stausee erhebt sich der Brocken, und das Eckertal ist von der Staumauer aus in beiden Richtungen ein beliebtes Wanderrevier. Über die schmale Staumauer verläuft die historische Landesgrenze, die von 1945 bis 1990 Staatsgrenze war.
Foto: © Kassandro/wikipedia.de Creative Commons Attribution 3.0, Karin Höll, Andreas Trapp/pixelio.de, JuTe CLZ, Thommi6967, KuNiii, alle wikipedia.de gemeinfrei (v.o.n.u.)
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